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08.12.2021

Herstellung


Die bitterkalten Winter in Kaschmir haben warme Kleidung, insbesondere Schals, zu einer Überlebensnotwendigkeit gemacht. Jedoch brauchte es Jahrhunderte des Experimentierens und der Verfeinerung, um die Schalherstellung von einer Notwendigkeit zu einer einzigartigen textilen Kunstform zu erheben.

Die Hirten sammeln das Vlies, indem sie die Ziegen im späten Frühjahr kämmen, unmittelbar bevor sie ihr Fell wechseln.

Im Frühjahr wird mit der Hand oder mit Holzkämmen das feine Unterhaar dieser Bergziegen ausgekämmt. Jede Ziege liefert ca. 100 g ungereinigtes Vlies, das aus einer Mischung aus Pashm und gröberen Haaren besteht. Das feine Pashm von den gröberen Deckhaaren befreit. Nur die zarteste Wolle wird für die Stoffe verwendet.

Anschließend wird die Rohwolle zu den verschiedenen Handwerksfamilien gereicht, die mit enormer Fingerfertigkeit den extrem dünnen Pashmina-Faden auf uralten Holzrädern spinnen.

Bis zu 18.000 Meter dieses feinen Fadens benötigt man für einen gewebten Jamavar Schal - das bedeutet - bis zu drei Wochen Spinnarbeit, nur um den Faden für einen einzigen echten Jamavar- oder Kanischal herzustellen.

Die Fäden werden in warme Pflanzenfarbe getaucht, um die kräftigen und auch pastelleren Farben zu gewinnen. Anschließend wird die gesponnene Wolle dann auf kleinere Rollen und Spindeln aufgezogen für den Webstuhl vorbeitet.

Das flauschige, schillernde Garn geht dann weiter in andere ansässige Weberfamilien, die auf Holzwebstühlen (welche schon seit Generationen ihren Dienst tun), diese einzigartigen Kani- & Jamavar- Schals weben.

Zum Schluß werden die wertvollsten Schals noch filigran mit Gold-, Silber- oder Seidenfäden bestickt oder man trennt einzelne Fäden heraus, um den Schal richtig durchsichtig zu machen.

Was die Kaschmir- Schals so wertvoll macht, ist zum einen die Feinheit der einzelnen Pashm-Fasern und auch das überaus sorgfältige Säubern, Trennen, Enthaaren und Spinnen von Hand. All dies sind handwerkliche Fertigkeiten, die von den Kashmiris zur Perfektion gebracht wurden.

Selbst ohne Stickerei bedarf es zwischen 200 und 350 handwerklicher Stunden, um einen einzigen echten Kani-/ Jamavar- Schal zu fertigen.

Manche Familien stellen pro Jahr zwischen fünf und zehn dieser unvergleichlichen Stoffkunstwerke her, um damit Ihren Lebensunterhalt für das ganze Jahr zu sichern – vorausgesetzt, dass sie die richtigen Menschen finden, die ihren Wert erkennen können.